Zum Schmunzeln

So brutal waren Computerspiele im Jahr 1987

Von am 19.03.2015 um 08:45 Uhr | 0

Spieler von aktuellen Titeln wie Call of Duty, Far Cry oder Battlefield mögen sich über die folgenden Zeilen verwundert die Augen reiben, aber bereits in den pixeligen Computerspielen der achtziger Jahre sahen Kritiker eine Bedrohung für die Jugend. 

Eine Allianz aus Jugendschützern und besorgten Eltern brachte reihenweise zusammen mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM, ehemals BPS) Ballerspiele wie Doom auf den Index. Der legale Erwerb wurde dadurch erschwert, da fortan keine Werbung mehr betrieben werden durfte und der Titel nur gegen Vorlage eines Personalausweises „unter der Ladentheke“ gekauft werden konnte. Die Popularität konnte das nicht beeinflussen. Selbstredend, dass Raubkopien dieser Spiele anschließend umso mehr auf Schulhöfen getauscht wurden.

Hier eine kleine Auswahl von besonders besorgniserregenden Spielen:

Barbarian (1987)

Barbarian: The Ultimate Warrior wurde von Palace Software in den Jahren 1987 und 1988 für C 64, Amiga und sämtliche anderen Heimcomputer entwickelt. Das Spielprinzip: In Schwertkämpfen à la Conan der Barbar den Gegner niedermetzeln.

Für besonders großes Entsetzen sorgte, dass der Gegner optional mit einem gezielten Schlag enthauptet werden konnte. Dass anschließend auch noch ein grüner Gnom auftauchte und den Kopf wie Beckham wegkickte, machte die Sache nicht besser.

Barbarian

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Die damalige Gemütslage kann man hervorragend am Spieletest des Schneider Magazins (Ausgabe 9/1987) nachvollziehen: „Die Grafik […] ist dermaßen gut gestaltet, dass man eindeutige Bezüge zur Wirklichkeit herstellen kann.“ Der Autor attestiert dem Spiel eine „fragwürdige Handlung“ und stellt fest: „Besonders makaber wird es, wenn man dem Gegner mit einem wohlgezielten Schlag den Kopf absäbelt, der dann im hohen Bogen auf die Erde fällt. […]. Das alles sieht so realistisch aus, daß es fast ekelhaft ist.

Dogs of War Testbericht im ASM

Entsprechend schnell landete Barbarian dann auch im Oktober 1987 auf dem Index. Nach Ablauf der üblichen Frist von 25 Jahren wurde die Indizierung im September 2012 aufgehoben. Das Gleiche geschah bereits 2011 mit Doom. In der Begründung der BPjM hieß es, dass die Gewaltszenen in Doomnach heutigen Maßstäben weder als detailliert noch als realistisch/realitätsnah einzustufen wären“.

Firepower (1987)

Firepower von Microillusions aus dem Jahr 1987 sorgte bei Pädagogen ebenfalls für wenig Begeisterung. Der Spieler steuert einen Panzer und erkundet die Umgebung der eigenen Basis. Dabei werden Mauern eingerissen, gegnerische Geschütztürme zerstört und feindliche Hubschrauber abgeschossen.

Besonders grausam: Wehrlose, flüchtende kleine Pixelmännchen können mit dem Panzer plattgewalzt werden (und hinterlassen dabei einen Blutfleck, der dreimal so groß ist wie sie selbst):

Fire Power

So viel sinnlose Gewalt wollte man nicht durchgehen lassen, daher landete Firepower noch im Erscheinungsjahr 1988 auf dem Index. Am 31. Juli 2013 wurde auch dieser Titel schließlich wieder von der Liste gestrichen.

Dogs of War (1989)

 „Einzelkämpfer mäht alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt“: Ausgelöst durch den enormen Erfolg von Filmen wie Das Phantom-Kommando mit Arnold Schwarzenegger (1985) und Rambo III (1988) dienten Arnie und Stallone als Vorlage für eine Welle von Ballerspielen, die in den Folgejahren über die Heimcomputer schwappte.

Das Spielprinzip von Spielen wie Commando, Ikari Warriors und eben auch Dogs of War von Elite war überschaubar: Als muskelbepackter Held – gern auch mit nacktem Oberkörper – bahnt sich der Spieler mit Maschinengewehr, Granaten und Flammenwerfer bewaffnet seinen Weg durch Myriaden von feindlichen Soldaten.  

Dogs of War (Amiga) (Animation by digitalista.de)

Das Spiel wurde im Jahr 1989 für Commodore Amiga und Atari ST veröffentlicht, im Oktober 1991 landete aber auch dieser Titel letztendlich auf dem Index. Dort wird das Spiel aufgrund der Frist von 25 Jahren wohl auch noch bis Ende nächsten Jahres liegen bleiben.

Trotz des herzlosen Spielgeschehens stießen Titel wie diese bei Fans und Fachpresse dennoch auf Interesse, wie der folgende Test (aus der Zeitschrift Aktueller Software Markt, Ausgabe 11/1989) veranschaulicht: „Gut, die Dogs of War sind brutal und geschmacklos, aber das Spiel macht trotzdem Spaß und motiviert recht lange. Dagegen habe ich überhaupt nichts! Greift zu, so lange es das Ding gibt!“.